Archiv

Archiv für August 2008

Service und die Deutschen

August 29, 2008 Will 1 Kommentar

Ich finde es immer wieder faszinierend, was viele Kunden so meinen, was wirtschaftlich und was Service ist. Das Produkt an sich muss immer das billigste sein. Das jemand unter Umständen arbeiten  muss, Zeit aufwenden, um die zumeist Sonderwünsche des Kunden abzuarbeiten, unter erheblichen Mehraufwand zu bereits knapp kalkulierten Artikeln, ist egal. Weigerung des Lieferanten/Dienstleisters wird dann immer mit „Servicewüste“ oder „Kundenunfreundlichkeit“ tituliert. Weil kosten darf es ja nichts. Hier ein Beispiel:
Ein bekannter Versandhandhandel hat die Option, dass die Ware auch im Laden abgeholt werden kann. Die Kunden werden dann benachrichtigt, wenn die Ware bezahlt ist und bereit liegt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist Bestellung komplett durchgelaufen, in der Warenwirtschaft verbucht und ins Abhollager sortiert worden. Nun kommen Kunden doch immer wieder auf die Idee, dass sie die Ware ja doch nicht abholen könnten und möchten diese zugesandt haben. In 50% der Fälle weil sie die Abholmöglichkeiten gar nicht erst gelesen haben, nämlich dass die Abholung dieses Produktes nur an EINER Stelle hier in der Stadt möglich ist. Die besagte Firma nimmt für den Mehraufwand pauschal 10,00€. Darin enthalten ist sind dann die 4,90€ des üblichen Porto & Verpackung, sowie 5,10€ Aufwandsentschädigung. Diese Entschädigung beinhaltet folgende Posten:
- Es muss Jemand aus dem Versand in das Abhollager gehen und die Ware holen (oder vic versa)
- Die Entnahme aus der Lager muss als Ausgabe quittiert und als Ausgang verbucht werden.
- Das Ganze geht dann in den Versand.
- Hier muss die Ware als Eingang verbucht werden.
- Die Ware muss von Abholung auf Versand umverpackt werden.
- Es muss von Hand ein Sendungsauftrag erzeugt werden, da dieses ja nicht bei Bestellung über den Webshop durch die Warenwirtschaft erledigt werden konnte, da der KUNDE die Ware ja ABHOLEN wollte.
- Die Sendung muss manuell frankiert und mit Postlabels versehen werden (wieder weil die Warenwirtschaft diesen Vorgang ja nur als Abholung kennt und die Bestellung auch nicht mehr geändert werden kann, denn sie wurde ja bereits „ausgeliefert“ (an das Abhollager) .Nach momentaner Rechtsprechung und IT-Warenwirtschaft dürfen Rechnungen – hier als Bestellung ohne Versandkosten – nach Ausdruck nicht mehr verändert werden, maximal storniert, oder das Ganze muss massiv und unveränderbar dokumentiert werden (Schlagwort: Journal Link).
- Letzlich muss die Einlieferungsbelegung beim Versanddienst manuell erstellt werden, da die von der Warenwirtschaft erzeugten Ladelisten diese Bestellung ja nicht kennen, wie oben ausgeführt.

Naja und dann fangen diese Kunden dieses Unternehmens an, wegen der 5,10€, welche an sich für den Mehraufwand die der Kunde verursacht hat bereits viel zu wenig sind, wilde Beschimpfungstiraden via eMail und Telefon zu starten. Was die Bearbeitungszeiten natürlich wieder erhöht!
Das Beste daran finde ich immer dann das Argument, und das ist meine persönliche Meinung, dass man ja nie wieder bei dieser Firma kaufen würde, wegen des mangelnden Services.
Und ich denke mir jedesmal, wenn ich so ein Ding über die IT-Wartung mitbekomme: „Junge/Mädel ich glaube das der ganze Laden froh ist, wenn Du hier mit Deiner Milchmädchen-Wirtschaft und völlig unterschätzten Marktmacht nicht wieder bestellst!“

Wenn ich möchte, dass jemand für mich arbeitet, vor allem weil ich meine Meinung geändert habe oder zu doof war, muss ich damit rechnen, dass dieser Mensch sich dafür bezahlen lassen will. Ich glaube, dass keiner dieser Beschwerdeführenden auch nur im Ansatz bereit wäre, umsonst zu arbeiten.

Kategorien:Tagewerk

Apropos Joyce Meyer

August 28, 2008 Will Kommentieren

Tante J. ist ja mittlerweile auf dem Wege zur Kovertierung, vom dem Glauben, dass ihr Pizza- und Dönerdealer der alleinig Wissende um die richtige Würze im Leben sei, zur feurigen Anhängerin von, lassen wir sie uns lievoll, wie hier im Norden üblich „UnsJoyce“ nennen, und hat mich mit diesem Monats-Rückblick-PDF von UnsJoyce versorgt.
Bei dem rein oberflächlichen Studium dieses Traktates taten sich nur durch die Hervorhebugen mehrere Fragen auf:  „Sich nur zu wünschen, dass etwas geschieht oder sich verändert, heißt nicht automatisch,dass es auch passiert.“. Nunja, da der christliche Glaube auf der Basisverneinung von Rationalität gründet (es gibt einen allmächtigen Grund als Grundannahme), aber das ist doch ähnlich dem Kinderglauben, dass wenn man den anderen nicht sieht, man selbst nicht gesehen wird, oder?
So viele Christen wünschen sich, dass Gott wunderbare Dinge in ihrem Leben tut, aber sie geben sich zu schnell mit einem mittelmäßigen Leben zufrieden, statt sich danach auszustrecken, das bestmögliche Leben von Gott zu empfangen.“ Demnach ist Christus und der Glaube an ihn reiner Heilsdienstleister? Wo ist das Buckeln, das Ora et Labora? Ich bin geschockt. Ich frage mich jetzt, wie man die Bestellung vor dem Empfangen aufgeben kann. Gehen die darum jeden Sonntag in das kalte und muffige Gebäude?
Es wird dann auch ein Video mit dem TLabel „Werden wie Jesus“ vertrieben. Denkt man nun ein wenig über Jesus nach, warum sollten die meisten Menschen dann werden wollen wie JESUS? Es sei denn wir reden nicht von DEM Jesus, denn so ein Leben haben noch mittlerweile Viele: Sohn einer Patch-Work-Familie. Mutter unerwartet Schwanger, Vater eher nicht greifbar und auch keinen Unterhalt zahlend, Mutter auf Unterstützung dreier Fremder angewiesen, Ehemann sich mit dem Gegebenheiten abfindend, da eher ein unscheinbarer Typ. Nach der Ausbildung zum Zimmermann arbeitslos. Vagbundierend. Drogenkonsum und sich einer Gang anschließend. Und betrachtet man das Ende seines Lebens, nunja, ich könnte mir durchaus ANDERE geschichtliche Personen vorstellen, die ich lieber wäre. Zusammenfassen für das Leben Jesus von Nazareth hat Subway to Sally ein nettes Lied geschreiben, ich deute es zumindest so:
Ich kenne meinen Stammbaum,
Er reicht ins erste Glied.
Dort gab es meine Mutter,
Die von dem Vater schwieg.

Sie kam nach Haus mit Fremden,
Dann war ich fremd daheim.
Ich fühlte mich verraten,
So unwert und allein.

Als Bastardsohn geboren,
Brauch ich kein Horoskop.
Es steht nicht in den Sternen,
Wer mich ins Unglück zog.

Wo euch Gestirne leuchten,
Sind meine längst verglüht.
Ich fühl mein nacktes Leben
Als sei es schon verblüht.

Meine Heimat ging verloren,
Ihre Seen, ihre Auen,
Wird mein Auge niemals schauen,
So steht es, in meinem Blut !

Kategorien:Tagewerk

Olympia, China & die Menschenrechte

August 27, 2008 Will 1 Kommentar

Aus dem aktuellen amnesty-international Newsletter:
„Nach den Olympischen Spielen in Peking ist klar: Die chinesische Regierung hat ihr Versprechen, die Spiele für die Verbesserung der Menschenrechte zu nutzen, gebrochen. In vielen Bereichen musste Amnesty International sogar Verschlechterungen feststellen. Während der Spiele sollte öffentlicher Protest in drei extra dafür ausgewiesenen „Protestzonen“ in öffentlichen Parks möglich sein. Aber keine der 77 angemeldeten Aktionen fand wirklich statt. Einige ChinesInnen wurden wegen ihrer geplanten Proteste im Vorfeld sogar inhaftiert. „

Naja war ja irgendwie klar, oder?

Kategorien:Tagewerk

Joyce Meyer und Bibel.TV

August 26, 2008 Will 2 Kommentare

Ich besitze ja keinen Fernseher (mehr) und bin deswegen ein wenig ablandig, was das momentane Fernsehgeschehen angeht. Nun habe ich bei Bekannten mal ins Bibel-TV zappen dürfen. Hier habe ich wohl das Heils-Flagschiff der USA Joyce Meyer sehen dürfen. Eine energische Frau in ihren 60ern.
Generelles Thema war wohl das richtige und glückliche Leben als Christ(in). Neben jeder Menge religiösem Dogma, dass ich nicht einzuschätzen weiß, fand ich doch folgendes herausragend:
Mami & Papi, oder ein paar Generationen davor sind schuld daran, dass so Einiges im eigenen Leben schief läuft. Zitiert wird eine Stelle bei Moses (habe ich vergessen) in der Gott zu Irgendwem sagt, dass die Nachkommen des Rechtgläubigen über 1000 Generationen die Liebe Gottes inne haben würde, die des Falschgläubigen aber über mehrere Generationen seinen, also Gottes, Unbill tragen müssten. Well. Religiöser Dogmatimus, aber wenn die das glauben wollen…
DANN kommt aber der „Beweis“ dieser These, indem eine „wissenschftliche“ Untersuchung zitiert wird, was aus den Nachkommen zweier Familien wurde. Nennen wir sie die Gutmenschen und die Bösmenschen. Definition für die Bösmenschen ist, dass der Mann von „fragwürdigem Charakter“ gewesen sei und eine Frau „ähnlichen Charakters“ heiratete. Bei den Gutmenschen natürlich das Gegenteil.
Nun wird heraus gestellt, dass aus der Familie der Bösmenschen 310 Vagabunden, 130 Gefängnisinsassen, 100 Alkoholiker, 90 Diebe und 90 Huren hervor gingen. Aus der Familie der Gutmenschen gingen 300 Geistliche (hier natürlich keine Kinderschänder), 100 College-Präsidenten (Schulrektoren!), 100 Rechtsanwälte (naja der Großteil der Rechtsanwälte in den USA ist ein Hort der Moral, richtig <hust>), 60 Richter (siehe die Rechtsanwälte), 60 Autoren (Was an diesen herausragend sein soll, weiß ich nicht), 30 Senatoren (Politiker in der USA? Come on!) und 1 Vize-Präsident (wird man das nicht nur wenn man einen Blutspakt mit Satan schließt?) hervor.
Und natürlich kann keiner der aufgeführten Gutmenschen-Gattungen auch gleichzeitig Alkoholiker, Dieb oder Hure sein, oder? Es ist ja nicht so, dass der derzeitige Präsident der USA offen zugibt, trockener Alkoholiker zu sein. Es ist wunderbar, wie aus dem Lebenslauf ZWEIER Familien und bestehender Koninzidenz ein Gesetz für gottes Wirken gemacht wird. Alles was ich in meinem Leben verzapfe oder scheiße läuft, ist in der falschen christlichen Einstellung meiner Vorfahren zu finden. Somit bin ich nicht schuld! Endlich ein regulärer, christlich sanktionierter Grund, Mami & Papi zu hassen.
Das ist in der Tat genialer als Feng Shui, wo man ja falsch stehende Möbel für die Irrnisse ud Hemnisse des eigenen Lebens verantwortlich macht – verfluchte Vorurteile!

Kategorien:Tagewerk

USA Reise gestorben

August 26, 2008 Will 1 Kommentar

Ich bin ein großer Freund der USA gewesen. Naja zumindest des Landes, hier besonders San-Francisco und Hawaii. Alle US-Bürger die ich näher kennen lernte sind und waren sehr nette Menschen. Die Planungen nächstes oder übernächstes Jahr da wieder einen längeren Trip hin zu machen waren schon im Gange.

Doch leider ist es ja mittlerweile so, dass das „Land of the Free“, immer mehr versucht durch Regularien und Verbote, welche mittlerweile die orwellschen Grenzen weit überschritten haben, eine künstliche Blase der Sicherheit zu erzeugen.

Ab dem 1. Januar 2009 müssen sich Einreisende in den USA mindestens drei Tage vorher über einen Webservice anmelden, damit man ihnen bereits im Vorfelde die Einreise verbieten kann (Artikel). Hierzu werden dann bei der Ein- und Ausreise alle 10 Fingerabdrücke genommen.  Im Rahmen der bereits seit 2006 bestehenden Regel, die mitgebrachte Hardware wir Laptops, iPods oder Smartphones als simple „Container“ sieht, werden diese auch immer mehr durchsucht. Wer sich weigert, sein Passwort offen zu legen, oder verschlüsselte Datein zu entschlüsseln, bekommt sein Gerät zerstört als Computerschrott zurück oder es wird konfisziert (Artikel -Reuters Eng.).
Dazu kommt, dass die Einreise-Behörden gehalten sind, ihre Daten mit anderen US-Behörden zu teilen. Die Daten von Laptops (und anderen Geräten) können bis zu zwei Jahren gespeichert werden (GIYFGolem).

Der Einreisende muss seine Persönlichkeitsrechte komplett aufgeben. Mein Laptop ist mein zweites Gehirn, und wenn es nur um die Adressen für die Urlaubskarten geht. Dazu ist da Einiges an privaten Dingen und auch vertraunswürdigen beruflichen Dingen drauf. In einer verschlüsselten Festplattenpartition. Nichts was auch nur im Geringsten mit der Gefahrenabwehr von Terrorismus oder die von den US-Behörden sehr vorgeschobene Kinderpornografie zu tun hat und einen Grenzbeamten/Zöllner beruflich irgendetwas anzugehen hat.
Aber  wer kann gegen die Auffindung von Pädophilen sein, oder Terroristen, niemand, oder? Und wenn man nichts zu verbergen hat, muss man sich ja eh keine Gedanken machen! 
Das ist Nonsense. Es gibt eine Privatssphäre. Diese ist intim. In diese darf nur auf meine Einladung und bei begründetem Verdacht eingedrungen werden.  Das hat nichts damit zu tun, dass etwas Illegales verborgen werden soll, sondern es ist der Reinraum meiner Individualität. Eine Denkweise, dass es sowas nicht gibt, oder es höhere Rechte gibt, als das Recht auf Privatssphäre, gibt den Deutschen das, was sie Verdienen: Schäuble, Beckstein und die Homeland Security.
Die Durchsuchungen und Datenkopien bei der US-Einreise müssen noch nicht einmal auf einen Verdacht begründet sein. Es reicht das Lendengefühl des Einreisebeamten. Wozu solche Machtbefugnisse, als Einbruch in den privaten Bereich, an negativen Eigenschaften hervor bringt, hat die Wissenschaft mehr als einmal gezeigt: Jeder Mensch ist triebgesteurt. Jeder Mensch ist ein Voyeur. Diese Beamten der Einreisebehörden werden in diesem Machtdefizit schwelgen: Sie dürfen, sie können, sie tun es, ohne dass der Betroffene eine Möglichkeit der Gegenwehr hat, können so also ihre Triebe befriedigen – verfluchte Vorurteile.

Die USA haben eines der herausragendsten Rechtsprinzipien verloren: Das der Unschuldsvermutung! Durch die Willkürlichkeit, ohne Verdachtsmomente, fallen für mich da natürlich auch die Freizüigkeit und das zumindest in Deutschland garantierte Brief- und Fernmeldegeheimnis mit rein. In Sicht auf die USA scheint dort der Begriff Freiheit nur noch eine alte Worthülse zu sein, ohne dass der Inhalt und die Bedeutung des Begriffes noch bekannt ist.

Kategorien:Tagewerk