Service und die Deutschen
Ich finde es immer wieder faszinierend, was viele Kunden so meinen, was wirtschaftlich und was Service ist. Das Produkt an sich muss immer das billigste sein. Das jemand unter Umständen arbeiten muss, Zeit aufwenden, um die zumeist Sonderwünsche des Kunden abzuarbeiten, unter erheblichen Mehraufwand zu bereits knapp kalkulierten Artikeln, ist egal. Weigerung des Lieferanten/Dienstleisters wird dann immer mit „Servicewüste“ oder „Kundenunfreundlichkeit“ tituliert. Weil kosten darf es ja nichts. Hier ein Beispiel:
Ein bekannter Versandhandhandel hat die Option, dass die Ware auch im Laden abgeholt werden kann. Die Kunden werden dann benachrichtigt, wenn die Ware bezahlt ist und bereit liegt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist Bestellung komplett durchgelaufen, in der Warenwirtschaft verbucht und ins Abhollager sortiert worden. Nun kommen Kunden doch immer wieder auf die Idee, dass sie die Ware ja doch nicht abholen könnten und möchten diese zugesandt haben. In 50% der Fälle weil sie die Abholmöglichkeiten gar nicht erst gelesen haben, nämlich dass die Abholung dieses Produktes nur an EINER Stelle hier in der Stadt möglich ist. Die besagte Firma nimmt für den Mehraufwand pauschal 10,00€. Darin enthalten ist sind dann die 4,90€ des üblichen Porto & Verpackung, sowie 5,10€ Aufwandsentschädigung. Diese Entschädigung beinhaltet folgende Posten:
- Es muss Jemand aus dem Versand in das Abhollager gehen und die Ware holen (oder vic versa)
- Die Entnahme aus der Lager muss als Ausgabe quittiert und als Ausgang verbucht werden.
- Das Ganze geht dann in den Versand.
- Hier muss die Ware als Eingang verbucht werden.
- Die Ware muss von Abholung auf Versand umverpackt werden.
- Es muss von Hand ein Sendungsauftrag erzeugt werden, da dieses ja nicht bei Bestellung über den Webshop durch die Warenwirtschaft erledigt werden konnte, da der KUNDE die Ware ja ABHOLEN wollte.
- Die Sendung muss manuell frankiert und mit Postlabels versehen werden (wieder weil die Warenwirtschaft diesen Vorgang ja nur als Abholung kennt und die Bestellung auch nicht mehr geändert werden kann, denn sie wurde ja bereits „ausgeliefert“ (an das Abhollager) .Nach momentaner Rechtsprechung und IT-Warenwirtschaft dürfen Rechnungen – hier als Bestellung ohne Versandkosten – nach Ausdruck nicht mehr verändert werden, maximal storniert, oder das Ganze muss massiv und unveränderbar dokumentiert werden (Schlagwort: Journal Link).
- Letzlich muss die Einlieferungsbelegung beim Versanddienst manuell erstellt werden, da die von der Warenwirtschaft erzeugten Ladelisten diese Bestellung ja nicht kennen, wie oben ausgeführt.
Naja und dann fangen diese Kunden dieses Unternehmens an, wegen der 5,10€, welche an sich für den Mehraufwand die der Kunde verursacht hat bereits viel zu wenig sind, wilde Beschimpfungstiraden via eMail und Telefon zu starten. Was die Bearbeitungszeiten natürlich wieder erhöht!
Das Beste daran finde ich immer dann das Argument, und das ist meine persönliche Meinung, dass man ja nie wieder bei dieser Firma kaufen würde, wegen des mangelnden Services.
Und ich denke mir jedesmal, wenn ich so ein Ding über die IT-Wartung mitbekomme: „Junge/Mädel ich glaube das der ganze Laden froh ist, wenn Du hier mit Deiner Milchmädchen-Wirtschaft und völlig unterschätzten Marktmacht nicht wieder bestellst!“
Wenn ich möchte, dass jemand für mich arbeitet, vor allem weil ich meine Meinung geändert habe oder zu doof war, muss ich damit rechnen, dass dieser Mensch sich dafür bezahlen lassen will. Ich glaube, dass keiner dieser Beschwerdeführenden auch nur im Ansatz bereit wäre, umsonst zu arbeiten.
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