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Archiv für Juli 7, 2009

Bankenkrise: 0,000% Zinsen – Wir sind noch nicht am Ende

Juli 7, 2009 Will 2 Kommentare

Wie die SZ heute zu berichten wusste: [...] „Die gesamte deutsche Bankbranche stand im Herbst vergangenen Jahres unmittelbar vor dem Kollaps. Das geht aus dem Protokoll einer Krisensitzung in Frankfurt hervor, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt“ (Ganzer Artikel der SZ hier).

Naja nun haben wir in zwei Monaten Wahl und alle Politiker singen in Einheit, dass das Schlimmste vorbei sei. Ähm, Ich glaub das nicht. Ich habe heute Post von der Volksbank hier bekommen, bei der ich ein Konto habe. Darin teilen Sie mir mit, dass die Bank die Zinsen auf meinem Girokonto von o,25% auf 0,000% wegen der „Situation an den Weltfinanzmärkten“ senkt. Also nochmal zum auf der Zunge zergehen lassen: Ich zahle jetzt 12€ Kontoführungsgebühr pro Quartal, was völlig in Ordnung ist, und bekomme nichts für Geld das auf der Bank liegt.

Selber geben die Banken grade Geld für 10-13,9% bei Krediten weg. Der Hauptfinanzierungssatz der EZB liegt gerade bei 1%. Das bedeutet, dass die Banken bei der Ausgabe von Krediten, die sie ja, sehr platt ausgedrückt, über die positiven Guthaben ihrer Kunden oder über Kredite von den Zentralbanken finanzieren, im Moment ca. 10% verdienen. Dies alles geschieht imo nur um die nicht mehr vorhandene eigene Liquidität wieder herzustellen. Rechnen wir das noch mal:
Peter hat 5000€ auf den Konto. Will hat einen Kredit zu einem effektiven Jahreszins von 11,3%. Will zahlt diesen Kredit innerhalb von 12 Monaten zurück (schön wärs!) und zahlt dabei also: 5565,00€ zurück. Also macht die Bank 565,00€ Gewinn. Peter, dessen Geld das ja eigentlich vom Konto ist, bekommt =0,000% Zinsen also 0,00€. Findet das noch jemand komisch?
By the way. Ich bin bestimmt niemand der daran glaubt, dass man mit Geld wieder viel Geld verdienen kann oder sollte. Dieser Glaube ist ja schuld daran, dass wir in dieser Krise stecken, aber eine gewisse Entschädigung sollte Peter schon bekommen, wenn sein Geld so benutzt wird.
Geil wäre ja noch, wenn Peter nun zur Bank ginge und sagt: Ich zahle Kontoführungsgebühren, das ist eure Bezahlung. Ich verbiete euch explizit, mein Geld an Andere zu verleihen! Was würde die Bank da wohl sagen…

Also die Banken geben sich die Blöße und zahlen keine oder nur noch geringste Zinsen bis auf in Verträgen aus denen sie nicht heraus kommen. Was ist das für ein Zeichen? Richtig! Ein Schlechtes!

Es ist übrigens noch nicht eine wirkliche Konsquenz aus der Bankenkrise und dem Missmanagement, besonders in den Landesbanken, gezogen worden. Weder gibt es eine stärkere Kontrolle der Weltfinanzmärkte, noch fegt der prüfende und verändernde Wind durch die deutschen Banken.

Liebe deutsche Steuerzahler. Ihr finanziert mit Eurer Lohnsteuer etc. grade die Prachtbauten der Banken, die hohen Renditen der Aktien der letzten 20 Jahre, und somit so manchen Mercedes und Eigenheim von dem einen oder Anderen, polemisch ausgedrückt, Bourgoise. Und zwar im Nachhinein. Es hat sich bisher NICHTS geändert. Noch immer gelten Indexe, Futures und Prognosen etc. auf den Börsenparketten als Indikator für Wirtschaft. Noch immer werden gute Arbeit und erfolgreiche Ideen virtuell kaputt gehandelt. Die Börse ist ein Relikt aus der (1.) Industriellen Revolution. Jetzt gehört sie verpackt und neu geschnürt.

Naja. Hier lande ich wieder bei Thomas Jefferson: „Banken sind gefährlicher als stehende Armeen“.

Kategorien:Tagewerk