Gekündigte Freundschaft – hartes Stück Brot.
Mir ist gestern seit langem (grübel - oder zum ersten Mal?) die Freundschaft gekündigt worden. Aussage war, auf meine erneute Frage, sich mal wieder zu sehen: „Will eigentlich habe ich kein Interesse daran, dass wir uns mal wieder treffen. Dich zu sehen bedeutet für mich, mich hinterher Scheiße zu fühlen. Du forderst zuviel und bist nicht bereit etwas zu geben.“
Da ich mich durchaus nicht so sehe, sondern eigentlich versuche bei Freunden beständig und verbindlich zu sein, habe ich das so natürlich nicht akzeptiert und bat um gewisse Präzisierung, auch wenn zwischen einem Wiedersehen schonmal ein wenig Zeit liegen kann. Als Antwort kam dann: „Wenn ich mich mit Jemandem abgebe, habe ich keinen Bock, dass der mir ständig sagt, wie scheiße ich mich benehme und mein Leben ständig durch die Zyniker-Brille begafft.“
Darauf gibt es wenig zu sagen denke ich. Ich sehe es nunmal auch als Aufgabe eines Freundes, nicht nur tröstend das Liedchen „das wird schon, haben Dich doch alle lieb“ zu trällern, sondern auch mal die Eckpunkte von Problemen anzureißen, die man sieht. Natürlich alles in entsprechender und angemessener Form, sowie nicht fortdauernd.
Nunja ich halte es wohl eher mit François de La Rochefoucauld:
„Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen.“
Mein ehemaliger Freund wohl eher mit Oliver Wendell Holmes:
„Freundschaft erlaubt einem nicht automatisch, dem anderen unangenehme Dinge zu sagen. Je näher man einem Menschen ist, desto wichtiger werden Taktgefühl und Höflichkeit.“
Aber ich denke, ich werde versuchen in Zukunft noch ein wenig Samuel Johnson hinzu zu nehmen:
„Freundschaften sind wie alte Dächer, man muss sie ständig reparieren, damit sie halten.“
Trotzdem. Es ist ein Verlust – aber Wege ändern sich nunmal.
Pfuh… das klingt nicht gut.
Zwischen Rochefoucauld und Holmes liegen Welten – und doch haben sie irgendwie beide recht.
Wobei der gute François seine Sentenz wohl nicht als Programm aufgestellt hat, sondern in ihr eine Beobachtung formuliert hat: wenn eine Freundschaft tatsächlich so weit gediehen ist, dann kann man auch die „Fehler“ (ich würde wie du eher von Problemen sprechen; das ist nicht so [ab]wertend) ansprechen.
Das natürlich in „Taktgefühl und Höflichkeit“, wie man ja auch selbst taktvoll und höflich auf Knackpunkte angesprochen werden will, und nicht (erfundener Fall) in der Art „Na, altes Haus, wie isses, haste wieder mal deine Alte vergrault?“ oder „Ey, siehsse dat denn nich, so wie du da rangehst, kann det nur schiefgehn… oder leechstet drauf an?“
mes deux – euh, 10 centimes…
Hm. Manchmal finde ich es ganz angenehm, den Freundeskreis ein wenig auszumisten.
jaha, aber das Problem ist halt, wenn man ausgemistet wird
Auch wenn sowas eine unangenehme Situation ist, meine Oma hat mal gesagt: Alles ist für irgend etwas gut, egal wie schlimm es im Augenblick erscheint.
Vielleicht wurde Dir das ausmisten erspart oder das ausgemistet werden hat Dir jetzt einen tiefen Einblick in die menschlichen Abgründe ermöglicht was Dich nun zu einem besseren Menschen macht ^^ Aber ich würde doch den „alten“ vermissen